Uhr der Schlosskirche

Seine Uhr bekam der Turm der Schlosskirche erst im Zuge der Sanierung. Mit großem Aufwand und viel Liebe zum Detail wurde das alte Uhrwerk wieder gängig gemacht, dass bis heute mechanisch seinen Dienst versieht. Inzwischen ist mit Hilfe des Ausbildungskurses der Firma Singulus Technologies ein elektrischer Aufzug für die Uhrgewichte konstruiert und eingebaut worden. So kann die Uhr weiterhin mechanisch laufen. Nur die Gewichte werden elektrisch nach oben befördert.

Aus dem Gemeindebrief No. 5 / 2014 stammt folgender Artikel von Roland Lacher:

Elektrischer Antrieb für die Turmuhr der Schlosskirche

Turmuhren waren die ersten mechanischen Uhren überhaupt und fanden gegen Ende des Mittelalters weite Verbreitung. Uhren waren zu dieser Zeit sehr teuer, sodass eine Turmuhr für alle Bewohner eines Ortes einen Nutzen brachte. Als zentrale und maßgebliche Zeitanzeige waren diese Uhrwerke auf den hohen Türmen von Kirchen, Rathäusern und Schlössern installiert. Die ersten Räderuhren mit Gewichtsantrieb (ab ca. 1300) verkündeten die volle Stunde zunächst durch automatische Glockenschläge. Ersatzweise schlugen Turmwächter zu jeder beginnenden Stunde die zugehörige Glocke an.

Heute sind mechanische Turmuhren nur noch selten in Betrieb. Die moderne Technik mit funkgesteuerten Werken und auch die aufwendige, schwierige Pflege der Uhren haben dazu ihren Beitrag geleistet (aus Wikipedia).

Im Turm der Schlosskirche Meerholz befindet sich noch eine dieser mechanischen Uhrwerke, die zu den oben beschriebenen ‚Schlaguhren‘ gerechnet wird. Sie wurde 1920 von der Firma Philipp Hörz aus Biberach geliefert, einem bis heute führenden Unternehmen zur Lieferung von Kirchenglocken und Uhrwerken. Seitdem leistete sie über alle Jahrzehnte hinweg bis heute unermüdlich ihren Dienst.

Es ist ein besonderer Glücksfall für unsere Kirchengemeinde, dass sich der Uhrmachermeister Crost – ehemals wohnhaft in Hailer – als ausgewiesener Fachmann mit großem persönlichen Engagement dieses Uhrwerks annahm. Er stellte nicht nur seit vielen Jahren die laufende Wartung für dieses technische Kleinod sicher, sondern er führte auch die notwendigen Reparaturen aus, wenn einmal Zahnräder oder Hebel zu Bruch gingen. Crost hatte den persönlichen Ehrgeiz, dieses inzwischen 94 Jahre alte mechanische Werk in voller Funktion für künftige Generationen zu erhalten. Damit widerstand er erfolgreich allen Versuchen, ein Exemplar historischer Uhrentechnik durch eine banale Funkuhr der Neuzeit zu ersetzen.

Die Turmuhr unserer Schlosskirche wird durch ein Gewicht an-getrieben, welches – an einem Tragseil hängend – die notwendige Kraft auf das Räderwerk überträgt. Nach etwa 18 Stunden muss das Gewicht wieder nach oben gezogen werden. Und so müht man sich seit 94 Jahren bis heute – mit Hilfe einer Hand-Kurbel! Es muss also irgendjemand täglich morgens und abends die vielen Stufen im Turm hinaufsteigen, um diesen Dienst zu-verlässig zu verrichten. Anderenfalls bleibt die Turmuhr stehen.

Es bietet sich in der heutigen Zeit an zu überlegen, den Gewichts-Aufzug durch einen Elektromotor mit da-zugehöriger Steuerung zu automatisieren. Doch liegt häufig ein zeitraubender Weg zwischen der Idee und der Tat. Jetzt endlich stellte sich die Firma Singulus Technologies AG aus Kahl am Main zur Verfügung, diese technische Aufgabe zu lösen und alle damit verbundenen Kosten zu übernehmen.

In einem Projekt für Auszubildende in Mechatronik und Konstruktion sowie mit Unterstützung der Entwicklungswerkstatt wurden die erforderlichen technischen Komponenten definiert, konstruiert, bereitgestellt und vor Ort in der ersten Woche im Juni 2014 im Turm installiert. Auch wenn die grundsätzliche Aufgabe sehr einfach erschien, so war am Ende doch vieles zu berücksichtigen, damit auch alle Aspekte der Funktionssicherheit und elektrischen Sicherheit erfüllt werden.

Nun läuft unsere historische Turmuhr automatisch und künftig – endlos ohne jede Unterbrechung! Als ein kleines ‚perpetuum Mobile‘ in Meerholz.

 

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